49 Burnout - Last und keine Entlastung V

Achten Sie auf Ihre Außenwirkung

Wieder steht Monika Müller vor dem Spiegel. Es hat sich etwas getan in den letzten beiden Tagen. Sie ist gespannt, wie man Büro darauf reagieren wird. Schon auf dem Parkplatz wird ihre Verwandlung bemerkt: ” Sind Sie verliebt?”, fragt Kollege Süster von der Buchhaltung sehr direkt und fügt erklärend hinzu: “Sie sehen so verändert aus. Klasse, gefällt mir.” Stella rauscht an ihnen vorbei, stutzt, dreht sich um: “Monika? Ja, beinahe hätte ich dich nicht erkannt. Toll siehst du aus. Für wen hast du dich denn so rausgemacht?” Ihre Lippen umspielt ein wissendes Lächeln. Und selbst ihr Vorgesetzter, Herr Sondermann, reagiert im ersten Moment erstaunt, sagt jedoch nichts. Monika ist hochzufrieden mit ihrer ‘Außenwirkung’.
Muss man wirklich einen solchen Aufwand treiben, um seine Ziele zu erreichen? Natürlich entscheidet jede/r für sich selbst, welche Wirkung sie/er auf andere Menschen erzielen will und was er/sie dafür investiert. In erster Linie wirken wir durch unser Äußeres auf andere Menschen und umgekehrt. In Sekundenschnelle erfassen wir die Ausstrahlung einer anderen Person, schätzen sie ein: Bedrohlich oder nicht? Wichtig für mich/unwichtig? Interessant/uninteressant? Sympathisch/unsympathisch? Etc. Wir versuchen dadurch, die Bedeutung eines anderen Menschen für uns selbst herauszufinden und angemessen auf ihn zu reagieren.
Wenn man Ihnen immer wieder in einer Art und Weise begegnet, die Ihnen nicht gefällt, wenn Sie immer wieder Ihre Ziele nicht erreichen, wenn man Ihnen immer wieder Ihre Anliegen abschmettert, kann es auch daran liegen, dass Sie den äußeren Eindruck erwecken, dass man das mit Ihnen machen kann, ohne dass es negative Konsequenzen hat.

# Brigitta Ehrhardt am 30. April 2011 um 08:44 Uhr
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48 Burnout - Last und keine Entlastung IV

Auf das Outfit kommt es auch an

Monika Müller steht vor dem Spiegel, aufrecht (damit sie selbstsicher wirkt), Schultern gesenkt (damit sie angstfrei wirkt), Kopf leicht nach vorne geneigt (damit sie nicht arrogant wirkt), aber auch nicht gesenkt (damit sie nicht schüchtern wirkt) und sie ist einigermaßen zufrieden mit sich. Wenn da nur nicht diese Ringe unter ihren Augen wären. Sie rückt näher an den Spiegel heran, betrachtet ihre Haut. Sie ist keine 20 mehr, das muss sie schon zugeben. Aber so großporig und fahl wirkt sie wirklich sehr gestresst. Sie überlegt sich, ob sie Make-up verwenden soll. Immerhin will sie ja Eindruck schinden. Oder lieber doch nicht? Ihr Vorgesetzter soll ruhig sehen, dass es ihr schlecht geht mit diesem Riesen-Arbeitspensum. Soll sie? Oder soll sie nicht? Immerhin: Er ist ein Mann. Bei Männern sollen Frauen angeblich mehr erreichen, wenn sie sich für ihn ‘schön machen’, Attraktivität ausstrahlen. Da fühlen sie sich gebauchpinselt. Bei diesen Gedanken muss Monika Müller unwillkürlich grinsen.
Sie verschiebt die Entscheidung, tritt einen Schritt zurück und begutachtet ihr Outfit. Naja, attraktiv ist anders. Ob sie mal zu einer Stil-Beratung geht? Oder auch zu einer Farbtyp-Beratung? Sie erschrickt: Das wird ganz schön teuer. Lieber nicht. Außerdem, was soll das schon bringen? Ihrem Vorgesetzten kann es doch egal sein, was sie anhat. Die Hauptsache, es ist sauber und angemessen. Sie betrachtet ihr Kostüm mit der blauen Bluse. Sie wirkt so seriös darin. Zu seriös? Monika Müller ist ausgesprochen unsicher. Ihre Freundin rät ihr, sich beraten zu lassen. “Investiere das Geld. Es ist ja schließlich kein Alltagsgespräch, das du führen willst. Es kann über deine Gesundheit und deine berufliche Zukunft entscheiden. Es kann natürlich auch in die Hose gehen. So fertig, wie du in letzter Zeit immer bist, würde ich mir dann aber an deiner Stelle etwas anderes suchen.”
Monika Müller gesteht sich innerlich ein, dass sie ihre Arbeit liebt. Sie fühlt sich auch sicher darin, hat Routine, will eigentlich nicht weg. Und schließlich verdient sie auch ziemlich gut. Und hat ja ansonsten sehr nette Kollegen. Und Stella, mit der ist sie ja eigentlich auch immer gut ausgekommen. Und über Herrn Sondermann kann sie sich normalerweise auch nicht beschweren. Und während sie so die Argumente addiert, fühlt sie, dass sie die Option, zu kündigen, absolut nicht in Erwägung ziehen will. Es lohnt sich um einen solchen Arbeitsplatz zu kämpfen. Entschlossen macht sie Termine für eine Farbtyp- und Stil-Beratung.

# Brigitta Ehrhardt am 28. April 2011 um 09:17 Uhr
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47 Burnout - Last und keine Entlastung III

Die Körpersprache ist Ausdruck der inneren Haltung

Nehmen wir an, Monika Müller hat eingesehen, dass sie keinesfalls ‘das Richtige’ tut, wenn sie sich völlig verausgabt - welche Handlungsmöglichkeiten hätte sie? Klar: Sie muss reden, mit ihrem Vorgesetzten und ihrer Kollegin. ‘Hat sie doch schon, hat doch nichts gebracht’, könnten manche von Ihnen einwenden. Stimmt. Sie hatte es zusammen mit ihrer Kollegin Stella schon einmal versucht. Aber dieses Gespräch fußte auf einer einwöchigen Erfahrung und auf vielen Befürchtungen. Da hatte ihr Chef natürlich leichtes Spiel. Diesmal nimmt sie sich vor, das Gespräch besser vorzubereiten. ‘Woran ist es beim ersten Gespräch gescheitert?’, denkt sie. ‘Vielleicht an meinem Auftreten. Ich war da in einer ziemlich blöden Position. Irgendwie habe ich Hilfe von ihm erwartet und dass er meine Probleme löst und die Arbeit gerecht zwischen mir und Stella verteilt. Ich das kleine Mädchen und er der große Papi, der alles richtet.’ Monika ärgert sich über sich selbst. Das kommt diesmal gar nicht in Frage! Sie hat diesen Burnout-Blog gelesen und ist meinem Tipp gefolgt: Googeln Sie die Körpersprache! Zuerst war sie noch ein wenig skeptisch, aber die Video-Clips auf Youtube haben sie überzeugt.
Sie stellt sich vor den Spiegel, betrachtet ihrer hängenden Schultern, ihre leicht eingezogene Brust und richtet langsam ihre Wirbelsäule auf. Sie testet: Ab wann stehe ich wirklich aufrecht, Schultern runter, gelassen, in der Mitte, Kopf gerade und wirke selbstsicher und ab wann wirke ich starr, dominant, vielleicht sogar arrogant? Was passiert, wenn ich mein Kinn hebe und vielleicht sogar mein Augenbrauen und einen scharfen Blick bekomme? Wie sehe ich aus, wenn ich in dieser Haltung meine Mundwinkel zu einem Lächeln hochziehe? Sie erschrickt über den höhnischen Ausdruck, friert dieses Erschrecken ein, betrachtet sich intensiv, verändert minimal ihre Mimik und muss über sich selbst lachen. Nein, sicherlich wird es ihr nicht gelingen, ihre natürliche Körpersprache zu kontrollieren. In diesem Gespräch jedoch will sie das, was sie gelernt hat,  gezielt einsetzen.
Und noch einen Tipp von mir will sie befolgen: Sie wird ihre Körpersprache durch ihre Gedanken unterstützen. Sie wird sich so etwas sagen wie: ‘Ich bin eine wertvolle Mitarbeiterin, kompetent, zuverlässig, schnell. Wenn ich ausfallen würde, wäre dies ein ziemlicher finanzieller Verlust für diese Firma. Ich bin hier Wer und lasse mich nicht klein machen’

# Brigitta Ehrhardt am 27. April 2011 um 10:03 Uhr
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46 Burnout - Last und keine Entlastung II

Richtig-Falsch-Denken verhindert eine effektive Problemlösung

Was denken Sie über die agierenden Personen? Dass dieser Chef ein herzloser Kerl ist, der seine Mitarbeiterinnen maßlos überfordert? Dass er ein hilfloser Mensch ist, weil er seine Leistungs-Vorgaben ‘von oben’ hat und gar nicht anders kann? Dass er seine Hilflosigkeit hinter einem dominanten Verhalten versteckt, um nicht als Schwächling dazustehen? Dass er im wirtschaftlichen Sinn absolut richtig handelt: Wenn die Kosten zu hoch werden, ist die Firma auf dem Markt nicht mehr wettbewerbsfähig und die Arbeitsplätze sind in Gefahr, die von Monika und Stella eingeschlossen? Dass er ein Mann ist und Männer nur Zahlen im Kopf haben?
Was halten Sie von der Kollegin Stella? Ist sie nicht durch und durch egoistisch, um nicht zu sagen ‘unfair’, ganz und gar nicht kollegial? Handelt sie im Sinne unserer christlich geprägten Kultur der Nächstenliebe nicht total daneben?  Regt sich Widerstand in Ihnen und sie sagen: Stella ist doch keine Mutter Theresa. Sie steht mitten im Wettbewerbs-Leben und muss zusehen, dass sie ihre Leistungsfähigkeit erhält. Wenn sie das in dieser Situation auf Kosten von Monika tut, ist das zwar bedauerlich, aber höchst realistisch und zukunftsorientiert. Was hat die Firma davon, wenn sie sich beide völlig verausgaben? Diese Stella schätzt die Situation besser ein, als Monika. The survival of the fittest!  Das uralte Evolutionsprinzip: Nur der Fitteste hat das Recht zu überleben?
Und Monika? Sie ähnelt Ihnen? Sie würden genau so handeln? Sie finden - christlich hin, christlich her - dass sie menschlich handelt, human-orientiert? Und dass wir solche Menschen dringend auch im Berufsleben brauchen, weil die Wirtschaftswelt sonst emotional erfriert?  Oder denken Sie: ‘Von wegen human! Die will der Stella doch nur beweisen, wie es richtig wäre und zeigen, dass sie es auch ohne ihre Unterstützung schafft. Die will doch hinterher nur die Lorbeeren kassieren und beim Chef Liebkind sein.’ Oder denken Sie: Diese Monika handelt zwar verständlich, aber nicht sehr zukunftsorientiert. Sie überschätzt sich total, powert sich völlig aus und dann braucht sie sich nicht krankschreiben lassen, dann ist sie krank. Ganz zu schweigen von den Kosten, die bei einem Burnout auf die Firma zukommen…
Jeder hat gute Gründe und viele gute Begründungen für seine Argumente - genau das ist die Problematik: Jede der drei Personen handelt aus ihrer Sicht ‘richtig’. Die Einstellung, ‘das Richtige zu tun’ verhindert jedoch, dass Monika Müller nach einer effektiven Problemlösung sucht.

# Brigitta Ehrhardt am 19. April 2011 um 08:40 Uhr
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45 Burnout - Last und keine Entlastung I

Dieses Arbeitspensum ist nicht zu schaffen!

Monika Müller fühlte sich durch die rigide Haltung ihres Vorgesetzten unter Druck gesetzt, ausgenutzt, ja regelrecht ausgebeutet. Und sie dachte daran, zum Arzt zu gehen und sich krankschreiben zu lassen… Ihre ersten Reaktionen waren Empörung und Rache. Nur in Gedanken zwar - denn sie ließ sich nicht krankschreiben - aber trotzdem hat ihr alleine dieser Gedanke eine innere Genugtuung verschafft. Und schließlich: Wenn es zu dick kommen würde, bliebe ihr diese Möglichkeit ja immer noch.

Stella, die Arbeitskollegin von Monika Müller, hatte die Idee, ihren Vorgesetzten um Entlastung zu bitten, von Anfang an nicht begeistert, aber sie hatte mitgemacht. Jetzt gab sie Monika am Scheitern die Schuld. Die Anfrage sei zu früh gestellt worden, sie hätten noch eine Weile abwarten sollen und vielleicht die eine oder andere Sache schiefgehen lassen sollen, dann hätte er besser eingesehen, dass es so nicht gehen kann. Der Mensch lernt am schnellsten aus negativen Erfahrungen und die müsste ihr Chef jetzt machen. ‘Etwas schief gehen lassen!’, empörte sich Monika Müller, nein, das käme für sie überhaupt nicht in Frage. Das Ergebnis? Sie ahnen es schon: Stella tat Dienst wie gehabt und Monika stürzte sich Hals über Kopf in die Arbeit. Und irgendwie entging es dabei ihrer Aufmerksamkeit völlig, dass sich Stella die ‘Rosinen’ herauspickte und ihr die Problemfälle von Hellas Schreibtisch überließ. Bis sie es bemerkte, war es zu spät für eine angemessene Reaktion. Monika Müller war bereits zu sehr in der Defensive, als dass sie sich gewehrt hätte. Ihr machte die Arbeit keinen Spaß mehr. Es war vor allem diese Ausbeutung durch ihren Chef, aber inzwischen auch die empfundene Unfairness ihrer Kollegin. Und es war das eigene Gefühl, es nicht mehr zu schaffen. Zusätzlich waren es einige Fehler, die ihr unterlaufen waren. Hellas Arbeitsgebiet war zwar mit ihrem sehr verwandt, es gab jedoch Ausnahmen und Bestimmungen, die sie nicht gekannt hatte… Das war natürlich Wasser auf die Mühlen ihres Chefs: “Sehen Sie, wenn schon Ihnen als Fachfrau solche Fehler unterlaufen, was hätte dann eine Zeit-Arbeiterin gebracht?” 

# Brigitta Ehrhardt am 01. April 2011 um 10:01 Uhr
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